Der Egener Berg, der Mount Everest und der Kilimandscharo

Für eine aus dem Bevertal per Pedes kommende Schülerin der Volksschule Egen eine fast tägliche Herausforderung!

Als ich beim Lesen der einmaligen „Weihnachts-Sonderausgabe“ beschloss, über dieses Thema zu schreiben, wurde mir bewusst, dass ich tatsächlich fast 8 Jahre lang – mit Ausnahme der Ferien – bei jedem Wetter an sechs Tagen in der Woche ( wir hatten auch an den Samstagen Unterricht ) morgens von Kotten nach Egen und mittags von Egen nach Kotten gegangen bin.

 Dies war manchmal hart, besonders bei Regen oder im Winter. Ich erinnere mich daran, wie wir Kinder aus dem „Bieverrott“ an einem frostigen Wintertag sehr große Mühe hatten, mittags den Egener Berg herunter zu kommen, der an seiner steilsten Stelle auf der ganzen Straßenbreite dick vereist war. Wir haben uns dann am Waldrand von Baum zu Baum gehangelt bis wir an der Einfahrt nach Schwickertshausen ankamen und ab da durch Gras gehen konnten.

 Dies hat bei mir wohl großen Respekt für den Egener Berg hinterlassen, weil ich einmal auf die Frage des Lehrers, ob wir drei berühmte Berge nennen könnten, den Mount Everest, den Kilimandscharo und den Egener Berg nannte. Komisch, dass der Lehrer lachte. Aber immerhin akzeptierte er die Antwort als richtig !

Erinnerungen an den Schulunterricht in Egen

Geschrieben von Margret Moritz geb. Lambert
in Dorfzeitung Egen 01/2015

Zugezogene

Eine fremde Familie ist ins Dorf gezogen.
Im Prinzip ist man ihnen durchaus gewogen.
Schließlich bringen sie ja, sozusagen,
frisches Blut ins Dorf. Da will man nicht klagen.

Man hat sie gemustert – klammheimlich, versteht sich
und empfand sie durchaus als solide und redlich.
Die Möbel, na ja – ist nicht mein Geschmack,
und der Mantel von ihr – sieht aus wie ein Sack.
Die Kinder sind niedlich, die sind ja noch klein
und er scheint ein Alternativer zu sein.
Alles in allem: gar nicht so schlecht,
und auf ein paar Macken hat doch jeder ein Recht!

So hält Skepsis mit Wohlwollen sich die Waage,
und es dauert nicht lange, bestenfalls 14 Tage,
da weiß man schon alles über die Neuen:
an welcher Musik sie sich erfreuen,
wie der Opa heißt und warum und wieso
sie so viele Bücher haben, selbst auf dem Klo.

Mit der Zeit toleriert man sich, feiert zusammen,
betrachtet gemeinsam den „Rhein in Flammen“.
Fährt einmal im Jahr auf Kegeltour
und irgendwann auch mal gemeinsam zur Kur.

Und dann, Jahre später, auf einem der Feste,
da fragt plötzlich einer der fremden Gäste:
Sag mal, wer sind eigentlich die Zwei
dort hinten, guck mal am Pfeiler vorbei?
Die habe ich hier schon öfters geseh’n,
sind das die Neuen aus Haus Nr. 10?

Die Antwort kommt schnell, wie angeflogen:
Ja, die sind hier zugezogen!
Ich glaube etwa zwanzig Jahre ist’s her.
So ganz genau weiß ich es auch nicht mehr.
Sie sind ganz okay, aber eins sag ich dir;
man kann heute noch merken: die sind nicht von hier.

Und die Moral von der Geschicht? –
Einheimisch ist man, das wird man nicht.
Wer nicht hier zur Welt kam – ohne zu übertreiben –
wird für immer ein „Zugezogener“ bleiben.

Gundula vom Hagen – Jung, Nach Egen gezogen in den 1980-er Jahren

Text aus „Dorfgeschichten“ 1997
Gundula vom Hagen – Jung
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