Die Verhütungslinde

Eine Sage aus dem Neyetal

Damals, vor unendlich langer Zeit, in Unternien, in der dort einmal gestandenen prächtigen Getreidemühle im Tal des Neyebaches, lebte ein Ehepaar.
Der Müller war ein kräftiger Mann von starker Statur und von einer ausgesprochen kräftigen Leibesfülle. Seine Frau war ein liebes und sehr zierliches Wesen von nicht allzu großer Statur. Man sah die beiden gemeinsam schuften, gemeinsam Essen, gemeinsam den Garten bestellen und gemeinsam zur Kirche gehen.

So verging Jahr auf Jahr. Nur eines war dem Paar gemeinsam nicht gegönnt. Kinder! Das soll auch an einer am Wegesrand stehenden alten Linde gelegen haben, deren Reste man heute noch dort findet. Diese Linde hatte einen mächtigen Umfang und war aufgrund des hohen Alters teilweise von innen hohl. Durch einen schmalen Schlitz im Stamm konnte man in das Innere dieser Linde schlüpfen.

Der Müller, so ist überliefert, trank leider oft den ganzen Tag über Alkohol. Im Suff überkam ihn dann die fleischliche Lust und er versuchte sich seiner Frau zu nähern. Diese aber machte keine Anstalten das Gewünschte über sich ergehen zu lassen und war zudem flink und schnell. Sie entwich ihrem betrunkenen Mann immer wieder. Den Müller machte das wütend und er begann daraufhin seine Frau durch Haus und Hof zu verfolgen.

Die Linde am Weg war ein sicherer Zufluchtsort für die gehetzte Frau. Ihr gelang es immer wieder, sich in den Stamm hinein zu flüchten. Der dicke Müller jedoch passte nicht durch die Lücke.

So beraubte der harte Lindenstamm dem Müller lebenslang, zuerst die Frau, dann die Lust und bis zum Ende seines Lebens jegliche Vermehrung.

Erzählt im Jahre 2011 von Felice und Heinz Goller

Dorfzeitung Egen „Ausgabe 4. Quartal 2011“

Der Egener Berg, der Mount Everest und der Kilimandscharo

Für eine aus dem Bevertal per Pedes kommende Schülerin der Volksschule Egen eine fast tägliche Herausforderung!

Als ich beim Lesen der einmaligen „Weihnachts-Sonderausgabe“ beschloss, über dieses Thema zu schreiben, wurde mir bewusst, dass ich tatsächlich fast 8 Jahre lang – mit Ausnahme der Ferien – bei jedem Wetter an sechs Tagen in der Woche ( wir hatten auch an den Samstagen Unterricht ) morgens von Kotten nach Egen und mittags von Egen nach Kotten gegangen bin.

 Dies war manchmal hart, besonders bei Regen oder im Winter. Ich erinnere mich daran, wie wir Kinder aus dem „Bieverrott“ an einem frostigen Wintertag sehr große Mühe hatten, mittags den Egener Berg herunter zu kommen, der an seiner steilsten Stelle auf der ganzen Straßenbreite dick vereist war. Wir haben uns dann am Waldrand von Baum zu Baum gehangelt bis wir an der Einfahrt nach Schwickertshausen ankamen und ab da durch Gras gehen konnten.

 Dies hat bei mir wohl großen Respekt für den Egener Berg hinterlassen, weil ich einmal auf die Frage des Lehrers, ob wir drei berühmte Berge nennen könnten, den Mount Everest, den Kilimandscharo und den Egener Berg nannte. Komisch, dass der Lehrer lachte. Aber immerhin akzeptierte er die Antwort als richtig !

Erinnerungen an den Schulunterricht in Egen

Geschrieben von Margret Moritz geb. Lambert
in Dorfzeitung Egen 01/2015

Zugezogene

Eine fremde Familie ist ins Dorf gezogen.
Im Prinzip ist man ihnen durchaus gewogen.
Schließlich bringen sie ja, sozusagen,
frisches Blut ins Dorf. Da will man nicht klagen.

Man hat sie gemustert – klammheimlich, versteht sich
und empfand sie durchaus als solide und redlich.
Die Möbel, na ja – ist nicht mein Geschmack,
und der Mantel von ihr – sieht aus wie ein Sack.
Die Kinder sind niedlich, die sind ja noch klein
und er scheint ein Alternativer zu sein.
Alles in allem: gar nicht so schlecht,
und auf ein paar Macken hat doch jeder ein Recht!

So hält Skepsis mit Wohlwollen sich die Waage,
und es dauert nicht lange, bestenfalls 14 Tage,
da weiß man schon alles über die Neuen:
an welcher Musik sie sich erfreuen,
wie der Opa heißt und warum und wieso
sie so viele Bücher haben, selbst auf dem Klo.

Mit der Zeit toleriert man sich, feiert zusammen,
betrachtet gemeinsam den „Rhein in Flammen“.
Fährt einmal im Jahr auf Kegeltour
und irgendwann auch mal gemeinsam zur Kur.

Und dann, Jahre später, auf einem der Feste,
da fragt plötzlich einer der fremden Gäste:
Sag mal, wer sind eigentlich die Zwei
dort hinten, guck mal am Pfeiler vorbei?
Die habe ich hier schon öfters geseh’n,
sind das die Neuen aus Haus Nr. 10?

Die Antwort kommt schnell, wie angeflogen:
Ja, die sind hier zugezogen!
Ich glaube etwa zwanzig Jahre ist’s her.
So ganz genau weiß ich es auch nicht mehr.
Sie sind ganz okay, aber eins sag ich dir;
man kann heute noch merken: die sind nicht von hier.

Und die Moral von der Geschicht? –
Einheimisch ist man, das wird man nicht.
Wer nicht hier zur Welt kam – ohne zu übertreiben –
wird für immer ein „Zugezogener“ bleiben.

Gundula vom Hagen – Jung, Nach Egen gezogen in den 1980-er Jahren

Text aus „Dorfgeschichten“ 1997
Gundula vom Hagen – Jung
Mehr von Gundula lesen? Auf „Egen4.de“ gibt es mehr…

Haltepunkt zur toten Katze

Wie eine Station an einer (Modell-) Bahnstrecke zu ihrem Namen kam

Kottmannshausen, 1996

Beim Bau der Personen befördernden 5-Zoll-Garteneisenbahn im sogenannten Huserland hat sich folgendes zugetragen…

Das Bahngelände liegt unterhalb einer Weide, einer schmalen Straßen und einer steilen Böschung. Am Rande der Böschung arbeiteten zwei Herren mit Hacke und Schaufel. Es war Sommer. Oberhalb auf der Wiese wurde gemäht. Gut hörte man das Jaulen des Kreiselmähers. Messer an drehenden Tellern schneiden das Gras dicht über dem Boden. Schnell und effektiv. Eher beiläufig verfolgten die schaufelnden Herren das mehr oder minder geleichförmige Geräusch.

Plötzlich ein dumpfer Schlag. das jaulende Geräusch verstummt. Der Traktor stoppt und der Motor abgestellt. Was war geschehen? Ein bedauernswertes Geschöpf war von dem Mähgerät erfasst und vom Leben zum Tode gebracht worden. Das Geschöpf, eine ausgewachsene Katze, konnte wohl nicht rechtzeitig fliehen… Wie dem auch sei. Nach dem Moment der Stille war plötzlich ein leises Surren in der Luft zu vernehmen. Ein Rascheln in den Ästen und der Kadaver der Katze taumelte durch die Luft und dann zu Boden. Unsanft landete sie direkt vor den Schaufeln der Männer.

Herzlos und ohne Achtung vor der Kreatur war das tote Tier kurzerhand auf Nachbars Grundstück entsorht worden. Das Mähen ging daraufhin weiter. Verwundert schauten sich die beiden Männer an. Was jetzt? Das Tier muss bestattet werden, so die sich zügig entwickelte Idee. Aber wo?

Zeitgleich mit den Bauarbeiten an der Bahn wurden von einem großen Stromversorger neue Masten gesetzt. Direkt an der Strecke wurde ein neuer sogenannter A-Mast gesetzt. Frisch eingegraben in ein fast 3 Meter tiefem Graben. Der Mast stand noch lose und nicht ausgerichtet und schief in dem Graben. Dort legten die Männer das Tier zur letzten Ruhe.

Zum Gedenken an das arme Tier heißt seither diese Kurve „Haltepunkt zur toten Katze“.