Haltepunkt zur toten Katze

Wie eine Station an einer (Modell-) Bahnstrecke zu ihrem Namen kam

Kottmannshausen, 1996

Beim Bau der Personen befördernden 5-Zoll-Garteneisenbahn im sogenannten Huserland hat sich folgendes zugetragen…

Das Bahngelände liegt unterhalb einer Weide, einer schmalen Straßen und einer steilen Böschung. Am Rande der Böschung arbeiteten zwei Herren mit Hacke und Schaufel. Es war Sommer. Oberhalb auf der Wiese wurde gemäht. Gut hörte man das Jaulen des Kreiselmähers. Messer an drehenden Tellern schneiden das Gras dicht über dem Boden. Schnell und effektiv. Eher beiläufig verfolgten die schaufelnden Herren das mehr oder minder geleichförmige Geräusch.

Plötzlich ein dumpfer Schlag. das jaulende Geräusch verstummt. Der Traktor stoppt und der Motor abgestellt. Was war geschehen? Ein bedauernswertes Geschöpf war von dem Mähgerät erfasst und vom Leben zum Tode gebracht worden. Das Geschöpf, eine ausgewachsene Katze, konnte wohl nicht rechtzeitig fliehen… Wie dem auch sei. Nach dem Moment der Stille war plötzlich ein leises Surren in der Luft zu vernehmen. Ein Rascheln in den Ästen und der Kadaver der Katze taumelte durch die Luft und dann zu Boden. Unsanft landete sie direkt vor den Schaufeln der Männer.

Herzlos und ohne Achtung vor der Kreatur war das tote Tier kurzerhand auf Nachbars Grundstück entsorht worden. Das Mähen ging daraufhin weiter. Verwundert schauten sich die beiden Männer an. Was jetzt? Das Tier muss bestattet werden, so die sich zügig entwickelte Idee. Aber wo?

Zeitgleich mit den Bauarbeiten an der Bahn wurden von einem großen Stromversorger neue Masten gesetzt. Direkt an der Strecke wurde ein neuer sogenannter A-Mast gesetzt. Frisch eingegraben in ein fast 3 Meter tiefem Graben. Der Mast stand noch lose und nicht ausgerichtet und schief in dem Graben. Dort legten die Männer das Tier zur letzten Ruhe.

Zum Gedenken an das arme Tier heißt seither diese Kurve „Haltepunkt zur toten Katze“.